Nairobi News - Bericht von unserem nach Kenia abgeordneten Kollegen Marcus Fanenbruck

Bild: /media/attachments/2018/03/DSC_0865.JPG

Nairobi News 2018
Liebe Schulgemeinschaft des Burg Gymnasiums!
Mein drittes Jahr neigt sich hier langsam zum Ende und wie vielleicht manche schon mitbekommen haben, möchte ich um weitere 3 Jahre verlängern. Es ist sehr augenöffnend gewesen, was wir hier in den letzten Jahren erleben durften und außerdem hat man hier vor Ort auch die Möglichkeit Dinge direkt anzupacken und zu helfen, so gut es geht. Ein Beispiel ist der von mir organisierte Spendenlauf an der DSN, welcher vor 3 Wochen stattfand. Vielen Dank auch an die SpenderInnen aus dem BG-Lehrerkollegium! Im Folgenden ein Bericht über die Hintergründe, Anfänge und die Durchführung.
Viele Grüße aus dem zurzeit etwas verregneten Nairobi,
Marcus Fanenbruck

Spendenlauf Wasser für Kenia
Hintergrund:
In der Agenda 21 und in den UN-Millenniums-Entwicklungszielen haben sich die Vereinten Nationen unter anderem zum Ziel gesetzt, zeitnah die Anzahl der Menschen ohne dauerhaften Zugang zu ausreichend und einwandfreiem Trinkwasser zu halbieren. Im Land der Massai, einem stolzen und traditionsreichen Hirtenvolk in der Dorn- und Trockensavanne Kenias, hat sich die Situation in den letzten 10 Jahren aber noch einmal dramatisch verschlechtert. Infolge des Klimawandels ist es hier zu einer bisher nicht gekannten Serie extremer Dürrejahre gekommen, wodurch viele Wasserlöcher ausgetrocknet sind und die Massai einen Großteil ihres Viehbestandes verloren haben. Selbst die Beschaffung von Trinkwasser für die Menschen – traditionsgemäß Aufgabe der Frauen – ist extrem schwierig geworden, seit für den Weg zu den letzten verbliebenen Wasserlöchern oft Wege von 15 bis 20 Kilometern zurückgelegt werden müssen. Die Massai-Frauen sind allein hiermit täglich fünf bis sechs Stunden beschäftigt, und vielfach müssen die älteren Kinder der Familien voll in die Aufgabe der Wasserbeschaffung eingebunden werden. Damit sind sie gezwungen, ihre allgemeine Schulbildung abzubrechen und geben somit auch den Schlüssel zu einer alternativen Lebensweise aus der Hand.
Nun werden sich die bereits jetzt sichtbaren Zeichen des globalen Klimawandels nicht mehr rückgängig machen lassen, aber dennoch ist es im Massai-Land möglich, den Teufelskreis des Wassermangels zu durchbrechen: In einem bereits mehrfach erfolgreichen Modellprojekt „Regenwasserfang an Grundschulen“ wurde ein Weg gezeigt, wie Kinder auch in Trockenzeiten weiter zur Schule gehen können und ausreichend sauberes Trinkwasser für die Bevölkerung der Umgebung bereitgestellt werden kann. Hierzu wird in der kurzen, aber heftigen Regenzeit alles Niederschlagswasser von den vergleichsweise großen Dachflächen der Schulen aufgefangen und in 50 Kubikmeter fassenden Wasserreservoirs für die Trockenzeit gespeichert.
Die Massai selbst beschaffen Sand und Steine für alle Bauarbeiten an den Wasserzisternen und arbeiten selbst auf den Baustellen mit. Dafür erhalten sie einen kleinen Lohn, mit dem sie während der Bauarbeiten ihre Familien ernähren können.

Bild: /media/attachments/2018/03/DSC_0563.JPG

Kooperation DSN - Wasser für Kenia – ADS Eastern
Nachdem wir im letzten Jahr schon bei der Einweihung eines 50.000 L Wassertanks mit Vertretern der DSN dabei waren, hat sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Verein Wasser für Kenia und der ADS Eastern entwickelt. Die Idee, einen eigenen Spendenlauf ins Leben zu rufen, war geboren. Ziel ist es, ärmeren Schulen in Ost-Kenia, die von den Trockenzeiten stark betroffen sind, finanziell bei der Erstellung eines solchen Tanks zu helfen, so dass während der Regenzeit genug Wasser von den Schuldächern gesammelt werden kann. Das hilft der gesamten Schule, aber auch vor allem den Mädchen, da diese seit jeher für das Wasserholen zuständig sind und deshalb in den Trockenzeiten sehr viel Unterricht verpassen, da sie teilweise bis zu 15 km zu den weit entfernten Wasserlöchern laufen müssen. Die Tanks werden dann mit Hilfe des erlaufenen Geldes und der fachmännischen Unterstützung der ADS Eastern von den Eltern der Schulkinder gebaut und dann auch weiterhin in Stand gehalten. (Info: www.wasser-fuer-kenia.de, www.adskenya.org)

Planung des Sponsorenlaufs (Aus Sicht der kenianischen Ortskraft, Viberti Nyakang’o)
Als der deutsche Geographielehrer Herr Fanenbruck, uns mit der Idee ansprach, bei der Organisation eines Sponsorenlaufs an der Deutschen Schule für das Projekt `Wasser für Kenia` mitzuhelfen, zögerten wir nicht lange und sagten sofort zu. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir die meiste Zeit sauberes Wasser haben. Das ist nicht selbstverständlich, also dachten wir, dass dies eine Gelegenheit ist, etwas für eine gute Sache zu tun. Viele bedürftige Menschen werden davon profitieren. Am Anfang waren wir uns nicht sicher, wie wir weiter vorgehen sollten, aber wir haben uns entschlossen, als Team einen Weg zu finden.
Das Team besteht auf Seiten der Deutschen Schule Nairobi aus zwei kenianischen Ortskräften Benard Ouma und Viberti Nyakang’o, dem Erdkunde Lehrer Marcus Fanenbruck und den Praktikantinnnen Josephine Zöhl und Verena Braun. Verstärkt werden wir von dem Wasser-Management Experten Titus Kalioki, sowie den Mitgliedern des Anglikanischen Entwicklungsdienstes ADS Eastern, die dann auch später vor Ort für die Planung und den Bau des 50.000 L Tanks verantwortlich sind.
Unser erstes Treffen fand im September statt, erstmal nur, um Ideen auszutauschen. Viele Ideen kamen auf, von denen einige kritisch analysiert wurden, um zu sehen, wie effektiv sie funktionieren würden. Die nächste Sitzung war fokussierter und die Team-Mitglieder haben sich freiwillig für Aufgaben gemeldet. Es war schön, die Begeisterung und das Engagement zu sehen, mit dem alle Beteiligten bei der Sache waren.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Projekt Wasser für Kenia, Herrn Fanenbruck und dem Anglikanischen Entwicklungsdienst wissen wir, dass das Geld für einen guten Zweck verwendet wird. Dies wäre das erste Mal, dass wir uns aktiv an der Organisation eines Sponsorenlaufs an der deutschen Schule beteiligen, um einem entlegenen Dorf zu helfen, einen Wassertank zu bauen, um Wasser zu speichern und in Zeiten der Trockenheit zu nutzen. Wir hoffen, dass es vor allem Mädchen hilft, die weite Wege zurücklegen müssen, um Wasser für ihre Familien zu holen. In dieser Zeit können sie nicht am Unterricht teilnehmen und sind somit stärker benachteiligt.
Eine letzte Sitzung wurde vor Weihnachten abgehalten, um zu sehen, wie weit die einzelnen Aufgaben fortgeschritten sind, und jedes Team-Mitglied gab einen Überblick über seine verschiedenen Aufgaben. Es gab uns ein gutes Gefühl zu sehen, wie das Projekt langsam Gestalt annahm. Die Mischung aus deutschen Lehrern und einheimischen Lehrern führte zu unterschiedlichen Betrachtungsweisen, was die Lernerfahrungen bereicherte. Wir hoffen, dass wir im Januar ein abschließendes Treffen haben werden, um alles zu besprechen und dass es ein erfolgreiches Sponsorenlauf-Event wird.

Spendenlauf, 01.02.2018

Bild: /media/attachments/2018/03/DSC_0561.JPG

Bei strahlendem Sonnenschein startete unsere Grundschule hochmotiviert in den heutigen Tag, den Tag des Spendenlaufs in Kooperation mit Wasser für Kenia e.V. und ADS Eastern. Durchschnittlich ca. 250 Runden pro Klasse wurden gelaufen, bei 11 teilnehmenden Klassen - die 12er befinden sich in der Abiturvorbereitung, wurden aber trotzdem von 2 Schülern vertreten – eine enorme Leistung. Da wir aber schon über die Weihnachtsferien im Vorfeld von vielen Menschen großzügig unterstützt wurden, um SchülerInnen ohne Sponsoren zu helfen, die zwei KUBB-Turnier (Wikinger-Schach) Gewinner (Klasse 7 und 8) auch jeweils 10.000 KSH für die Erbauung eines 50.000 L Tanks erspielt haben und sogar die Angestellten der ADS Eastern 50.000 KSH (!) gesammelt haben, sieht es so aus, als ob wir die magische Grenze von 10.000 € (1.000.000 KSH) knapp erreichen werden! Ein unglaublicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass unsere Schule nur 200 SchülerInnen hat.